Die Kinder kommen bereits angerannt, sobald sie das Geländefahrzeug nur aus der Ferne hören. Über eine Frau im Dorf wurde der Besuch des medizinischen Teams angekündigt. Es kommt regelmäßig aus der humedica-Gesundheitsstation in Dus, dem größten Ort hier in der Nähe, um die Menschen direkt bei sich zuhause medizinisch zu versorgen.
Straßen gibt es hier draußen nicht. Allerhöchstens eingetrampelte Wege im Sand, die auch der Krankenwagen nehmen muss. Wobei mit Krankenwagen eben jener Geländewagen gemeint ist, der es lediglich erlaubt, dass die Patienten hinten auf der Ladefläche liegen können. Jedes andere Fahrzeug käme überhaupt nicht durch. Wir sind im Omo-Tal, ganz im Süden Äthiopiens, nahe der Grenze nach Südsudan und Kenia.
Klinik als Anlaufpunkt
Dass es den Krankenwagen und die humedica-Gesundheitsstation gibt, ist für die Kara, das kleine, traditionelle Volk, das hier lebt, etwas ganz Besonderes. Die Errichtung einer medizinischen Einrichtung war in dieser Gegend nicht vorgesehen im Plan der äthiopischen Behörden. Den Leuten blieb nichts anderes übrig, als zum Naturheiler zu gehen. Jetzt hilft die Klinik bei Wunden und leicht behandelbaren Krankheiten. Schwere Fälle werden ins nächste staatliche Krankenhaus nach Turmi überwiesen – mehrere Autostunden quer durch die Wildnis entfernt. Alles andere als ein Vergnügen.
Seit 2017 betreibt humedica die Gesundheitsstation im Dorf der Kara. Das medizinische Team behandelt nicht nur in der Klinik selbst. Es fährt auch zu den Menschen – dahin, wo sie sich aufhalten – in Nachbardörfer oder zu Weilern direkt bei den Feldern, wo sie all das anbauen, was sie für sich und ihre Familien benötigen.
Hebamme betreut Schwangere
Während das medizinische Team am Ortsrand seine Behandlungsstation beim Gesundheitsposten aufbaut, zieht die Hebamme los und besucht die Schwangeren in ihren Hütten. Regelmäßig hört sie die Frauen ab und untersucht, ob alles in Ordnung ist. Die Gefahr, dass Mutter oder Kind bei der Geburt sterben, ist deutlich gesunken, seit es hier draußen eine Hebamme und eine Gesundheitsstation mit Mutter-Kind-Haus gibt, in der inzwischen fast 90 Prozent der Frauen entbinden.